VDB-Zert: Vorgehensweise und Messstrategie

VDB-ZERT – das Zertifizierungssystem der Baubiologie für gesundes Bauen und Wohnen, ist ein baubiologisches Bewertungssystem zur Beurteilung der Qualität von Gebäuden im Hinblick auf ihre Gesundheitsverträglichkeit für die Nutzer.

Formaldehyd, VOC und Konservierungsmittel

Die Untersuchungen werden durchgeführt nach den VDB-Richtlinien – Band 2, Teil B Chemische Untersuchungen, B I 2 – Raumluftuntersuchungen auf leichtflüchtige Gebäudeschadstoffe – VOC und Formaldehyd.

Zugrundeliegende Normen:

  • DIN EN ISO 16000-2 Innenraumluftverunreinigungen – Teil 2: Probenahmestrategie für Formaldehyd.
  • DIN ISO 16000-3: Innenraumluftverunreinigungen – Teil 3: Messen von Formaldehyd und anderen Carbonylverbindungen in der Innenraumluft und in Prüfkammern - Probenahme mit einer Pumpe
  • DIN EN ISO 16000-5 Innenraumluftverunreinigungen – Teil 5: Probenahmestrategie für flüchtige organische Verbindungen.
  • DIN ISO 16000-6: Innenraumluftverunreinigungen – Teil 6: Bestimmung von VOC in der Innenraumluft und in Prüfkammern, Probenahme auf Tenax TA, thermische Desorption und Gaschromatographie mit MS/FID.
  • EN ISO 16017-1: Probenahme und Analyse flüchtiger organischer Verbindungen durch Sorptionsröhrchen/thermische Desorption/Kapillar-Gaschromatographie Teil 1: Probenahme mit einer Pumpe.


Ziel der Messung ist es, die möglichen leichtflüchtigen Innenraumschadstoffe durch eine aktive Probenahme der Raumluft mit dafür zertifizierten Probenahmepumpen auf geeignete Sammelmedien anzureichern, um diese im Labor auswerten zu können. Im vorliegenden Fall werden für die Untersuchung auf Formaldehyd und höhere Aldehyde DNPH-Kartuschen und für die Untersuchung der VOC in der Raumluft beschichtete Tenax Röhrchen verwendet. Nach der Probenahme werden die Probenahmemedien im Labor extrahiert und mittels GC/MS bzw. HPLC (Formaldehyd- DNPH) analysiert.


Bei der Probenahme auf Tenax wird zur Sicherheit zusätzlich eine sogenannte Feldblindprobe genommen. Dazu wird ein unbeladenes Tenax-Röhrchen an die Probenahmeeinrichtung angeschlossen, geöffnet und danach (ohne Inbetriebnahme der Pumpe) wieder verschlossen. Die Feld-blindprobe dient dazu, einen Blindwert bestimmen zu können, der sicherstellt, dass durch Lagerung, Transport und Probenahme keine signifikante Kontamination aufgetreten ist.


Biozide, Weichmacher und organische Flammschutzmittel

Die Untersuchungen werden durchgeführt nach den VDB-Richtlinien – Band 2, Teil B Chemische Untersuchungen, B I 2, B I 3 Raumluftuntersuchungen auf mittel- und schwerflüchtige Gebäude-schadstoffe – SVOC und POM

Zugrundeliegende Normen:

  • DIN EN ISO 16000-12: Innenraumluftverunreinigungen – Teil 12: Probenahmestrategie für polychlorierte Biphenyle (PCB), polychlorierte Dibenzo-p-dioxine (PCDD), polychlorierte Dibenzofurane (PCDF) und polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAH) (2008-08)
  • VDI 4301 Blatt 5: Messen von Innenraumluftverunreinigungen – Messen von Flammschutzmitteln und Weichmachern auf Basis phosphororganischer Verbindungen – Phosphorsäureester (2009-04).

Für Raumluftprobenahmen wird zur Erfassung von gasförmigen und partikelgebundenen Anteilen ein (Soxhlet-) gereinigter PUF (Polyurethan-Schaum) verwendet.

Bestimmung des Luftwechsels/Frischluftanteils pro Stunde

Die Bestimmung des Luftwechsels erfolgt durch das Indikatorgasverfahren. Beim Indikatorgasverfahren wird ein sogenanntes Tracergas bis zur gewünschten Anfangskonzentration in den Raum injiziert. Gemessen wird die Verdünnung des Tracergases durch den Luftaustausch über die Zeit. Die Verdünnung des Indikatorgases wird vom Konzentrationsunterschied zwischen dem zu messenden Raum und seiner Umgebung bestimmt. Der Luftwechsel eines Raumes während der Aufzeichnung ergibt sich aus dem negativen Exponenten der Regressionsgleichung der um die Außenluft korrigierten Abklingkurve.


Normative Grundlagen des Indikatorgasverfahrens:

  • VDI 4300 Blatt 7 „Messen von Innenraumluftverunreinigungen – Bestimmung der Luftwechselzahl in Innenräumen“ und DIN ISO 16000-8 „Innenraumluftverunreinigungen – Bestimmung des lokalen Alters der Luft in Gebäuden zur Charakterisierung der Lüftungsbedingungen“.

Der Luftwechsel wird bestimmt mittels eines mobilen Photoionisationsdetektors mit geeignetem Tracergas.

Schimmelpilze in der Raumluft

Die Untersuchungen werden durchgeführt nach den VDB-Richtlinien – Band 2, Teil C „Mikrobiologische Untersuchungen“, C I 2 „Raumluftuntersuchungen auf Schimmelpilze, Impaktion auf Objektträgern, Gesamtsporenbestimmung“.

Zugrundeliegende Normen:

  • DIN ISO 16000-20: Innenraumluftverunreinigungen – Teil 20: Nachweis und Zählung von Schimmelpilzen - Bestimmung der Gesamtsporenanzahl (ISO/DIS 16000-20:2014).

Mit dem Probenahmesystem MBASS30 mit Partikelsammelkopf PS 30 wird der Gesamtsporenanteil der Schimmelpilzsporen (kultivierbare und nicht kultivierbare) in der Raumluft erfasst. Bei der Raumluftprobenahme werden die Schimmelpilz-Sporen in der Luft auf einen transparenten, adhäsiv beschichteten Objektträger impaktiert. Die Schimmelpilz-Sporen werden so auf eine kompakte Sammelspur von 1,1 mm Breite und 16 mm Länge abgeschieden. Der so beladene Objektträger kann nach der Probenahme - ohne Kultivierung - angefärbt und lichtmikroskopisch ausgewertet werden. Im Gegensatz zur Luftkeimsammlung ist hier die Keimfähigkeit der Partikel für das Ergebnis nicht relevant, da jede Spore im Mikroskop erkennbar und zählbar ist.

Für die Untersuchung der Schimmelpilze sind in der Sommerperiode Messungen in zwei Wohnräumen und eine Messung in der Außenluft (Referenz) durchzuführen. In der Winterperiode kann hingegen bei niedrigen Außentemperaturen auf die Außenluftmessung als Referenz verzichtet werden. Wird keine Außenluftmessung durchgeführt, muss jedoch zur Sicherheit eine Probenahme in 3 Wohnräumen durchgeführt werden.

Radon

Die Messung der Radonkonzentration im Innenraum erfolgt durch Langzeitmessung in zwei Wohnräumen. Zur Beurteilung des Jahresmittelwertes (Jahresdosis) nach DIN ISO 11665 Teil 8 bei normalem und üblichen Nutzerverhalten wird diese über mindestens vier Monate durchgeführt, idealerweise sollte die Hälfte der Messzeit in der Heizperiode liegen.
Die Messung erfolgt mit Kernspurdetektoren (Exposimeter). Diese Methode lässt eine direkte Bewertung der Ergebnisse aufgrund der offiziellen Richtwerte (EU, BfS, WHO etc.) zu, die sich auf Jahresmittelwerte beziehen.

Präparation der Wohnräume

Für die Bewertung der Raumlufthygiene wird exemplarisch ein Wohnraum, idealerweise ein Kinderzimmer oder Schlafzimmer ausgewählt.

Die Präparation für die Messungen erfolgt im Grundsatz nach der DIN ISO 16000, im Nutzungszustand während der normalen Nutzung. Für den Normalfall, dass eine Lüftungsanlage vorhanden ist, sind die Messungen bei mittlerer Betriebsstufe aller Anlagenteile durchzuführen, wobei darauf zu achten ist, dass die Lüftungsanlage vor den Messungen mindestens drei Tage in Betrieb sein sollte, damit sichergestellt ist, dass sich eine Ausgleichskonzentration eingestellt hat.

Bei Gebäuden ohne raumlufttechnische Anlage ist zur besseren Vergleichbarkeit und Simulation einer Fensterlüftung drei Stunden vor der Messung eine kurze, intensive Fensterlüftung durchzuführen. Grundsätzlich sind vor und während der Messungen Fenster und Türen geschlossen zu halten.

Niederfrequente elektrische Wechselfelder am Schlafplatz

Die Messungen der elektrischen Wechselfelder werden am Schlafplatz nach den VDB-Richtlinien – Band 1, Teil A „Physikalische Untersuchungen“, A I 3 „Langsam veränderliche elektrische Wechselfelder (Niederfrequenz)“, A I 1 3 – 1.4 „Immissionsmessungen an Schlafplätzen“, als potentialfreie E-Feld-Messung nach dem 9-Punkt-Rastermessung-Verfahren mit 3-D Sonden durchgeführt. Der jeweils höchste gemessene Messwert am Schlafplatz wird zur Beurteilung herangezogen.

Ablauf der Messung: Gemäß folgender Abbildung wird an neun Rasterpunkten über der Matratze das ungestörte Feld am Schlafplatz (Einzel- oder Doppelbett) gemessen, d.h. es befindet sich keine Person im Feld/im Bett.

Die E-Feld-Sonde wird gemäß den in obiger Abbildung angegebenen Koordinaten (x +, y +, z +) in Relation zum Bett positioniert.

Niederfrequente magnetische Wechselfelder am Schlafplatz

Die Messungen der magnetischen Wechselfelder werden an einem exemplarischen Schlafplatz nach den VDB-Richtlinien – Band 1, Teil A „Physikalische Untersuchungen“, A I 4 – 5 „Messungen an Schlafplätzen“, als orientierende Langzeitmessung über ca. 3 Stunden durchgeführt.

Die eingesetzten Messsysteme beruhen auf dem Induktionseffekt. In einer Leiterschleife, die von einer sich ändernden magnetischen Flussdichte durchsetzt wird, wird eine elektrische Spannung induziert, deren Größe von der Intensität, der Richtung und der Geschwindigkeit der Änderung des Feldes sowie der Größe der Schleifenfläche abhängt. Den mathematischen Zusammenhang beschreibt das Induktionsgesetz. Die Erfassung des Magnetfeldes erfolgt über drei orthogonal angeordnete Sensorspulen, mit denen die drei Raumkomponenten (x, y, z) der magnetischen Flussdichte gleichzeitig jede für sich gemessen werden. Die aus den orthogonalen Komponenten resultierende Gesamtflussdichte wird von der Auswerteeinheit als quadratische Summe berechnet und angezeigt.

Zur Beurteilung wird der Durchschnittswert über den Messzeitraum herangezogen.