Pilztagung 2014: Schimmel kann krank machen, aber wie?

Lesen Sie nachstehend den Artikel von Michael Henke, der bei BauenimBestand24 erschienen ist.

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Pilztagung 2014: Schimmel kann krank machen, aber wie?

 

Am ersten Tag der 18. Pilztagung des Berufsverbandes Deutscher Baubiologen und des Bundesverbandes Schimmelpilzsanierung standen die gesundheitlichen Auswirkungen eines Schimmelpilzbefalls im Mittelpunkt. Mit 250 Teilnehmern war die am 1. und 2. Juli in Bonn abgehaltene Tagung wie schon in den Vorjahren wieder früh ausgebucht.

In der begleitenden Fachschau stellten sich unter anderem Analyselabore vor. An diesem Stand konnte man Materialproben zunächst nach Augenschein bewerten und sich dann die mikroskopische Aufnahme ansehen. (Abb.: B+B BAUEN IM BESTAND/M. Henke)

Prof. Dr. med. Gerhard A. Wiesmüller, Leiter der Infektions- und Umwelthygiene im Gesundheitsamt Köln, stellte zum Abschluss des Tages fest, dass bislang ein kausaler Zusammenhang zwischen einem Schimmelpilzbefall in Innenräumen, der messtechnisch nachgewiesen wurde, und einer individuellen Erkrankung noch nicht für einen der vier infrage stehenden Auswirkungen nachgewiesen werden konnte. Dabei bestritt Wiesmüller keineswegs, dass ein Schimmelpilzbefall sich in vielen Fällen negativ auf die Gesundheit auswirkt. Er machte nur deutlich, dass die kausale Wirkungskette zwischen einem konkreten Schimmelpilzbefall mit einem Gemisch aus verschiedenen Schimmelpilzarten und mit ihm einhergehenden Milben- und bakteriellen Belastungen noch nicht entschlüsselt ist. Zu komplex mutet hier die Interaktion zwischen dem „Schimmelpilzcocktail“ und den möglichen Körperreaktionen an.

Dennoch bleibt unbestritten, dass Schimmelpilzbefall Infektionen, Sensibilisierungen und Allergien, toxische Wirkungen sowie Geruchswirkungen und Befindlichkeitsstörungen auslösen kann. Diese sind abhängig von der gesundheitlichen Anfälligkeit der Innenraumnutzer für Schimmelpilzexpositionen. Es sei Aufgabe des Mediziners hier eine dispositionsbasierte Risikobewertung vorzunehmen, betonte Wiesmüller.

Bakterien können für gesundheitliche Beschwerden verantwortlich sein

Prof. Dr. med Gerhard A. Wiesmüller wies darauf hin, dass die individuelle gesundheitliche Bewertung von Schimmelpilzexpositionen dem Arzt obliegt. Dieser beurteilt die Anfälligkeit für Schimmelpilzwirkungen und bewertet danach das Erkrankungsrisiko. (Abb.: B+B BAUEN IM BESTAND/M. Henke)

Die vorhergehenden Referenten hatten aus wissenschaftlicher und praktischer Perspektive den aktuellen Kenntnisstand zwischen mit einem Schimmelpilzbefall einhergehenden Belastungen und möglichen gesundheitlichen Auswirkungen aufgezeigt. Im Fokus standen dabei das toxische Potenzial von Actinobakterien beziehungsweise Actionmyceten, der Zusammenhang zwischen Gelenkschmerzen und bakteriellen Toxinen sowie der Nachweis und die Auswirkungen von Mykotoxinen.

So berichtete Prof. Dr. Dr.-Ing. Peter Kämpfer vom Institut für Angewandte Mikrobiologie der Universität Gießen über neuere Studien, die belegen, dass die in Innenräumen mit Feuchteschäden verbundene Gesundheitsgefahr auch eine mögliche Gefährdung durch Bakterien beinhaltet. In verschiedenen Experimenten konnte gezeigt werden, dass unterschiedliche Toxine aus Vertretern von Actionbakterien und Firmicutes, die aus Innenräumen isoliert wurden, Zellen und Gewebe schädigen können. „Es ist daher möglich, dass die bei Bewohnern verschiedener Gebäude mit Feuchteschäden beobachteten gesundheitlichen Beschwerden teilweise auch auf die Exposition mit den mit einem Schimmelpilzbefall verbundenen Bakterien zurückzuführen sind“, fasste Kempfer den derzeitigen Kenntnisstand vorsichtig zusammen.

Wie bakterielle Endotoxine Arthritis auslösen

Wie bakterielle Endotoxine Artrithis verursachen, erläuterte Univ. Professor Dr. Mehdi Shakibaei. (Abb.: B+B BAUEN IM BESTAND/M. Henke)

In einer Kooperation zwischen Praxis und Grundlagenforschung konnte jetzt der Zusammenhang zwischen einer mit Schimmelpilzbefall auftretenden Arthritis und bakteriellen Toxinen nachgewiesen werden. Darüber berichteten Dr. Wolfgang Lorenz und Univ. Professor Dr. Mehdi Shakibaei.

In Laborversuchen wurden Knorpelzellen mit Extrakten aus befallenen Baumaterialien traktiert, was zu einer immensen Schädigung der Knorpelzellen führte. Reduzierte man in diesen Proben die Endotoxine beziehungsweise Lipopolysaccharide (LPS) wurde die Knorpelschädigung schwächer bis sie schließlich mit zunehmender Reduktion ganz aufhörte.

Ursache für diese Knorpelschädigung ist eine Procollagen-Endotoxin-Komplexbildung, die zu einer Entzündungskaskade mit Knorpelabbau führt. Ursache ist offenbar, dass die Enden von Prokollagen-Molekülen eine ähnliche Struktur aufweisen wie Toll-like-Rezeptoren, die für das Auslösen von Immunreaktionen verantwortlich sind. Die Endotoxine können daher an das Prokollagen andocken und den schädigenden Komplex bilden.

Nach gesundheitlichen Beschwerden Mykotoxine nachgewiesen

Dr. Carmen Kroczek stellte drei Fallbeispiele vor, die einen Zusammenhang zwischen Mykotoxinen und gesundheitlichen Beschwerden nahe legen. (Abb.: B+B BAUEN IM BESTAND/M. Henke)

In circa einem Fünftel der Fälle von Schimmelpilzschäden werden auch Mykotoxine gebildet, die toxische, neurologische und irritative Belastungen sowie Immunmodulationen auslösen können. Der Wirkungsmechanismus ist allerdings noch aufgeklärt. Darauf wies Dr. rer. Nat. Carmen Kroczek von der anbus analytik GmbH hin.

Sie stellte drei Fallbeispiele vor, in denen Feuchte- oder Wasserschäden zu gravierenden gesundheitlichen Beschwerden wie Gelenkschmerzen, Augenbrennen, Konzentrationsstörungen, Schleimhautreizungen, Schwindel und so weiter bei den Raumnutzern führten. In allen Fällen konnten bei den mikrobiologischen Untersuchungen Mykotoxine nachgewiesen werden.

Kroczek forderte daher abschließend, die Diskussion über Mykotoxine in der Fachwelt erneut anzustoßen, im Praxisalltag anwendbare Methoden zum Nachweis relevanter Mykotoxine zu entwickeln sowie Hintergrundwerte für Mykotoxine in Umweltproben wie Staub und Raumluft zu erarbeiten.

Mehr von der Pilztagung steht in der kommenden B+B

In der kommenden Ausgabe von B+B BAUEN IM BESTAND finden Sie einen weiteren Bericht zur Pilztagung. Darin stehen die Schimmelpilzsanierung und Messstrategien im Mittelpunkt.

Michael Henke

www.pilztagung.de

VDB Pressemitteilung - Schimmel vermeiden - Feuchte vertreiben

Alle Jahre wieder: Damit der Schimmel gar nicht erst kommt, muss die Feuchtigkeit des Sommers aus den Wohnungen vertrieben werden!

Gerade in der Übergangszeit im November und Dezember, bevor es im Januar so richtig knackig kalt wird, besteht die größte Gefahr für einen Schimmelpilzbefall hinter Schränken und an kalten Außenwänden.

Das liegt daran, dass in den Wohnungen noch die Feuchte vom Sommer sitzt - und die muss jetzt rausgelüftet werden, um dem Schimmelpilz keine Chance zu geben.

Besonders jetzt ist intensives Lüften angesagt, zumindest für Wohnungen, die über keinen perfekten Wärmeschutz verfügen.

Ein typisches Warnzeichen, dass Lüftungsbedarf besteht, ist ein zentimeterdicker Kondensstreifen auf dem Fenster am Morgen.
Aber wie lüfte ich am effektivsten die sommerliche Feuchte zum Fenster raus?

Hierzu gibt es fast eben so viele gut gemeinte Ratschläge wie gut gemeinte Tipps zur Vermeidung einer Erkältung.

Fakt ist: Es gibt keine „goldene Lüftungsregel“, die für jede Wohnung und jeden Lebensstil gilt. Dafür sind die Wohnsituationen einfach zu individuell.

Eine Empfehlung wie z. B. dreimal täglich Lüften kann für die konkrete Situation wie ein Blick in die Kristallkugel sein – und völlig danebenliegen.

Es gibt aber einen einfachen Trick, um den ganz persönlichen Lüftungsbedarf zu ermitteln: Stellen Sie ein digitales Hygrometer (Feuchtemesser) im Bad, im Schlafzimmer oder in einem anderen Raum auf (Geräte gibt es bereits für ca. 9 €) und achten Sie darauf, dass die Luftfeuchtigkeit (bei Außentemperaturen unter 5°C) nicht über 45 - 50 % relative Feuchtigkeit liegt. Klettert die Anzeige dauerhaft über 50 % r. F., ist Lüften angesagt. Nur in Altbauwohnungen mit richtig kalten Wänden und alten Fenstern können 50 % r. F. schon zu viel sein.

Welches Lüftungskonzept - Querlüften, Stoßlüften oder aber eine Kippstellung mehrerer Fenster (und wie lange und wie oft) - im jeweiligen Fall, den besten Erfolg bringt, verrät die Anzeige auf dem Hygrometer.

Nur drei Grundregeln müssen beachtet werden:

(1) Öffnen Sie ein Fenster, sobald Feuchtigkeit z. B. beim Duschen oder Kochen entsteht, bevor sich die Feuchtigkeit in den Wänden niederschlägt und nur schwer wieder abgelüftet werden kann.

(2) Die Raumtemperatur darf (auch beim Lüften) nicht unter 17°C absinken, da sonst die Oberflächen feucht und nicht trocken werden.

(3) Feuchtedepots wie z. B. eine nasse Dusche,sind zu vermeiden; der letzte Benutzer sollte beispielsweise die Dusche trocken reiben, da andernfalls den ganzen Tag über gelüftet werden müsste.

Laden Sie sich hier den einfachen VDB-Leitfaden für die Wohnraumlüftung in der Heizperiode herunter.

Bei konkreten Fragen vermitteln wir Ihnen unter der kostenlosen Servicenummer 0800-2001 007 werktags von 8:00 bis 16:00 Uhr gerne einen unserer Experten.