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Veröffentlichungen zum Thema "Umweltradioaktivität"Teil I - Strahlenbiologie und Strahlenschutz
Die gesundheitliche Relevanz der Radioaktivität und der damit verbundenen ionisierenden Strahlung ist eine wissenschaftlich abgesicherte Tatsache. Jede überschüssige und unnatürliche Dosis radioaktiver Strahlung bewirkt ein zusätzliches Gesundheitsrisiko - insbesondere Krebs. Vor dem Hintergrund neuerer Untersuchungen wird immer deutlicher, daß das Strahlenrisiko im Bereich kleiner Strahlendosen noch immer weit unterschätzt wird. Zudem wird im Niedrigdosisbereich neben Krebserkrankungen auch zunehmend von Krankheitsbildern und Effekten berichtet, die nicht unmittelbar mit einer Tumorentstehung zusammenhängen wie z.B. Störungen des Immunsystems, des Nervensystems und "oxidativem Stress". Innerhalb des internationalen Strahlenschutzes wurden diese Beobachtungen seit fast 50 Jahren konsequent mit Rücksichtnahme auf die Nuklearindustrie vernachlässigt und nur bedingt zu Empfehlungen und Grenzwertfestlegungen herangezogen. Aus Vorsorgeaspekten kann die baubiologische Untersuchung und Bewertung der Baustoff-Radioaktivität und der Radon-Konzentration eine effektive Reduzierung der persönlichen Dosis der gefährlichsten aller Strahlenarten liefern. Durch den Einfluß der Zivilisation ist in Bezug auf die durchschnittliche Belastung des Menschen bereits ein beachtlicher Anteil natürlicher und künstlicher Radioaktivität (bis über 100%) hinzugekommen. Hier stehen vor allem Anreicherungen in Baumaterialien, Bergbau, medizinische Anwendungen, Kernenergie und weltweite Kernwaffenversuche im Vordergrund. Die wichtigsten Beiträge ionisierender Strahlung durliefern.verursacht durch: Gammastrahlung.Sie stellt eine sehr energiereiche elektromagnetische Strahlung dar. Diese Strahlungsart dringt tief in das Körpergewebe ein und hat in der Luft eine Reichweite von einigen hundert Metern. Radon. Radon (Rn-222) ist ein radioaktives Gas und ein starker Alphastrahler. Es entweicht aus bestimmten radioaktiven Materialien (Boden, Baumasse) und reichert sich schnell in der Innenraumluft an. Die derzeit überwiegend aus natürlichen Quellen stammende Strahlenexposition setzt sich aus der äußeren und der inneren Exposition zusammen. Die äußere Einwirkung durch radioaktive Erdstrahlung wird im wesentlichen durch die Gammastrahlung des natürlichen Strahlers Kalium (K-40) und der Zerfallsreihen des Radium (Ra-226) und Thorium (Th-232) verursacht. Bei der inneren Aufnahme überwiegt der Anteil des radioaktiven Gases Radon über die Luft. Kalium sowie die zahlreichen radioaktiven Folgenuklide der natürlichen Zerfallsreihen von Radium und Thorium werden auch über das Trinkwasser und die Nahrung aufgenommen. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit gibt für das Jahr 1997 nachfolgende Statistik über die mittlere radioaktive Strahlenbelastung der deutschen Bevölkerung heraus. Es handelt sich hierbei um Mittelwerte, die jedoch relativ großen regionalen und individuellen Schwankungen unterliegen. Die Gesamtbelastung betrug demnach insgesamt durchschnittlich 4 mSv/a und war zu 60 % auf natürliche und zu 40 % auf künstliche Strahlenquellen zurückzuführen.
Durch Anreicherungen natürlicher Radioaktivität (Erdstrahlung) in Baumaterialien kommt es in vielen Häusern und an Schlafplätzen zu einem erheblich höheren Anteil an Gammastrahlung, als in der natürlichen Umgebung vorzufinden ist. Ausgehend von einem in deutschen Wohnräumen zu messenden Mittelwert von ca. 50 Bq/m3 (Becquerel pro Kubikmeter) Radon in der Raumluft berechnet sich, daß der Körper zu 35% allein durch dieses radioaktive Gas belastet wird. In etwa 1-2% der deutschen Wohnungen können bereits weit höhere Radonwerte im Mittel über 250 Bq/m3 gemessen werden. Als Handlungsspielraum für eine effektive Reduzierung der radioaktiven Dosis im Wohnbereich ist in erster Linie die Baumasse und die Luftqualität zu nennen, um die ionisierende Strahlenbelastung so gering wie möglich halten zu können. Zu Einzelheiten in Bezug auf individuelle Einflußgrößen und geeigneter baubiologischer Messtechnik sei auf den Folgebeitrag Umweltradioaktivität, Teil II im Heft 95 von Wohnung und Gesundheit hingewiesen. Zunächst zu den aktuellen Erkenntnissen der Strahlenbiologie und des Strahlenschutzes auf nationaler und internationaler Ebene. StrahlenbiologieDie Wirkung der Radioaktivität auf biologische Systeme besteht in der Zerstörung chemischer Strukturen und biochemischer Reaktionsmechanismen im lebenden Organismus durch die sehr energiereiche Alpha-, Beta-, Gamma- und Neutronenstrahlung. Es kommt z.B. zur Entstehung von Radikalen und Ionen in Organen und Zellen, Spaltung von Bindungen, Bruch von empfindlichen Wasserstoff-Brücken, Hydratisierung, Hydrolysen, etc... Die bei radioaktiver Bestrahlung biologischer Systeme zu beobachtenden Effekte sind die Schädigung bzw. Abtötung von Organismen und Zellen, das Auftreten von Mutationen und Krebs. Für krebsauslösende Wirkungen sind in erster Linie die Schädigung der DNA und Chromosomenbrüche in der Zelle verantwortlich, die bei erhöhtem Auftreten durch das zelleigene Reparatursystem nicht mehr ausreichend behoben werden können. Innerhalb des bestrahlten menschlichen Gewebes entsteht eine erhöhte Anzahl von mutierten lebens- und vermehrungfähigen Krebszellen. Radioaktive Strahlung bewirkt somit unkontrollierbare Veränderungen an den Chromosomen (DNA, Erbinformation) und den Zellmembranen (Zellstoffwechsel). Bei der Zellteilung und -vermehrung werden strahlungsbedingte Veränderungen des Erbgutes (DNA) an Folgegenerationen - zunächst unerkannt - weitergegeben und verbreitet. Besonders strahlenempfindlich reagieren die Stammzellen der Erneuerungsgewebe wie Knochenmark, Haut und die Keimzellen. Das strahlenbedingte Krebsrisiko ist wesentlich vom Alter bei der Bestrahlung abhängig. Das relative Risiko bei Kindern unter 16 Jahren ist ca. fünfmal höher als das bei Erwachsenen über 40. Neue Erkenntnisse
Nicht tumoröse KrankheitsbilderEine statistische Untersuchung in den USA konnte aufzeigen, daß durch die zusätzliche Radioaktivität der weltweit durchgeführten Atombombentests die Säuglingssterblichkeit enorm (ca. 30%) zugenommen hat. Für den Zeitraum von 1945 bis 1995 konnte aufgezeigt werden, daß überwiegend durch den Beitrag des globalen radioaktiven Fallouts die erhöhte Säuglingssterblichkeit in USA zu insgesamt ca. 900.000 frühkindlichen Todesfällen geführt hat. Die genomische Instabilität, eine bisher unerwartete Strahlenwirkung, führt in den Nachkommen der bestrahlten Zellen erst ca. 10 bis 15 Zellteilungen später zu chromosomalen Schäden und Veränderungen. Der Petkau-Effekt beschreibt Zellmembranschäden durch strahleninduzierte freie Sauerstoffradikale. Durch diese Art „oxidativen Stress“ steigt die relative Schädigung sogar mit abnehmender Dosisrate. Durch diesen Effekt konnte erstmals erklärt werden, daß niedrige chronische radioaktive Strahlendosen vielfach gefährlicher sind, als aufgrund der linearen Extrapolation von hoch (Opfer Hiroshimabombe) nach tief (globaler Fallout) zunächst angenommen wurde. Besonders die zuletzt genannten Effekte beziehen sich auf Wirkmechanismen, die ebenfalls bei chemischen Noxen (Wohngifte, chemische Schadstoffe) in z.T. identischer Weise als „oxidativer Stress“ beschrieben wurden. Synergistische und gegenseitig verstärkende Wirkungen zwischen ionisierender Strahlung und Umweltgiften sind im Niedrigdosis- bzw. Niedrigkonzentrationsbereich daher besonders zu beachten. Das Gas Radon ist besonders gefährlich, da es als unsichtbares, geruch- und geschmackloses Gas direkt in die Lunge gelangt. Beim Einatmen radonhaltiger Luft werden ca. 25 % des radioaktiven Gases vom Körper aufgenommen. Das kurzlebige Radon zerfällt in der Lunge direkt, zerstrahlt in Körperflüssigkeiten und hinterlässt dort eine Kette von weitere Strahlungsprozessen durch seine ebenfalls radioaktiven Zerfallsprodukte im ganzen Organismus. Radon und die Produkte seiner radioaktiven Zerfallskette wirken so direkt innerhalb des Körpers. Radioaktive Kleinionen als Folgeprodukte in der Luft lagern sich zusätzlich an lungengängigen Feinstaub an und finden ebenso den Weg in den Körper. Durch die einwirkende Alphastrahlung ist das Gesundheitsrisiko, insbesondere für Lungenkrebs, sehr hoch. Nach statistischen Schätzungen kommt es in den alten Bundesländern jährlich zu 2000 - 6000 zusätzlichen Lungenkrebstoten (das sind ca. 4 -12 %) bereits durch die mittlere Radongaskonzentration von ca. 50 Bq/m3 in der Raumluft. Damit ist das Radon nach dem Rauchen die zweithäufigste Ursache von Lungenkrebs. Durch die Summe von Radonbelastung und Rauchen wird das Krebsrisiko noch um ein Vielfaches erhöht. STRAHLENSCHUTZ
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