[
zurück zur Übersicht ]
Veröffentlichungen und Presseberichte zum Thema "Pilze"
Eine Million Dollar Schadensersatz für Familie
Immunstörungen durch Bakterien und Pilze / Verstopfte Abwasserleitung und übergelaufene Toilette
aus WOHNUNG+GESUNDHEIT, Heft 74, 1995
Bakterien und Pilze sind überall. Kein Kubikmeter Luft und kein Quadratmeter Fläche ohne diese teils nützlichen und teils schädlichen Keime. Menschen mit intaktem Immunsystem sind fähig, die wenigen mit unserer Nahrung und aus der Umwelt aufgenommenen Keime zu bewältigen.
Kritisch wird es erst dann, wenn die krankmachenden Keimzahlen übermäßig zunehmen oder das Immunsystem zu schwach ist. Jeder vierte Deutsche gilt, egal ob alt oder Kind, als immungeschädigt. Der Teufelskreislauf: Der immungeschädigte Mensch öffnet den Keimen Tür und Tor, die Keime attackieren wiederum, und das ist ihre größte Gefahr, das Immunsystem.
Deshalb gilt in der Baubiologie: Kritische Keimzahlen im Wohn- und Arbeitsumfeld des Menschen erkennen und vermeiden, um einem Zuviel entgegenzuwirken, aber auch andere kritische Umweltfaktoren physikalischer, toxischer und raumklimatischer Art erkennen und vermeiden, um das Immunsystem zu schonen.
Diese Mikroorganismen, besonders die Pilze, sind anspruchslos, anpassungsfähig, zäh und deren Speisekarte lang. Was Keime für Wachstum und Vermehrung brau-chen ist Feuchtigkeit und Wärme. Auf diese Idealbedingungen können Pilze Jahrzehnte warten: als Sporen in der Luft, im Teppich, in Polstern, auf Oberflächen, in Schränken, im Staub..., bis der nächste Nährboden in Sicht ist. Feuchte Tapeten, nasse Wände, schlecht gelüftete Räume, aber auch Menschen sind gute Nährböden. Es ist ein Trugschluß zu glauben, Pilze könnten erst gefährlich werden, wenn sie als Rasen auf der Wand oder als dunkler Belag im Bad sichtbar sind. Millionen Sporen können schon früher dagewesen sein, z.B. als Folge eines Feuchteschadens vor Jahren oder falsch verstandener Hygienebedingungen.
Weit über den Richtwerten
Eine vierköpfige Familie im südkalifornischen San Diego erhob Klage gegen ihren Eigentumswohnungsverband, deren Hausverwaltung, die Teppichreinigung Stanley Steemer International und diverse Subunternehmer, die das Haus gebaut und erhalten hatten.
Die Familie Kirst beklagte die Beeinträchtigung ihrer Gesundheit durch die Lanzeiteinwirkung von hohen Bakterien-, Schimmel- und Hefepilz-Konzentrationen in der Luft, in Teppichen, Polstermöbeln und den Wänden ihrer 3-Zimmer-Eigentumswohnung.
Mutter Jodie litt neun Monate unter ständigem Unwohlsein, Erkältungen, bakteriellen Infektionen und allergischen Reaktionen auf Pilze. Die Kinder Kelsey (4) und Mark (2) zeigten ebenfalls viel mehr Erkältungen als normal und waren nonstop krank.
Der Hausarzt, Dr. Robert Hamburger, diagnostizierte ein geschwächtes Immunsystem und sah einen Zusammenhang mit den mikrobiologischen Belastungen. Die Mutter: "Es ist eine Erlösung, endlich die Bestätigung für unsere ständigen Erkrankungen zu bekommen. Wir hatten diese Ursache immer schon vermutet, waren uns aber nicht richtig sicher. Erst die Analytik vor Ort hat es dann endlich an den Tag gebracht." Fachärzten war es anfangs nicht gelungen, eine Ursache für den schlechten Gesundheitszustand der Mutter und ihrer Kinder zu finden.
Erst als der Baubiologe Peter Sierck vom US-Büro der Baubiologie Maes eine mikrobiologische Hausuntersuchung mit mehreren Luft- und Oberflächenproben durchführte und diese im La-bor auswerten ließ, stand fest: starker Pilz- und Bakterienbefall in der ganzen Wohnung, weit über den empfohlenen Richtwerten. Sachverständiger P. Sierck: "Rechnet man sonst mit wenigen
hundert Keimen pro Kubikmeter Luft, so ging es in diesem Fall in die Zehntausende."
Der Anwalt der Familie, Mickey Mc Guire, Mitarbeiter einer der erfolgreichsten Anwaltskanzleien in San Diego, führte das massive Auftreten von Pilzen und Bakterien auf eine übergelaufene Toilette zurück. Die war deshalb überlaufen, weil eine blockierte Abwasserleitung im Spiel war.
Sowohl die ungenügende Säuberung bzw. Ersetzung der Teppiche als auch die unzureichende Reinigung und Desinfektion der Hohlwände durch die Firma Stanley Steemers machten es erst möglich, daß sich die Keime derart schnell und so massiv ausbreiteten und vermehrten. Dazu kam ein schlechtes Ventilationssystem und ein paar winzigkleine Löcher in den Wasserleitungen, wo unbemerkt Feuchte austrat.
Diese unglückliche Kombination schaffte einen idealen Nährboden für Mikroorganismen und sorgte dafür, daß die Bakterien und Pilze mehr als hundertmal schneller wachsen konnten als man es nor-malerweise erwartet. Sichtbaren Pilzbefall gab es jedoch keinen.
"Diese Kombination", sagte der Anwalt, "war so heimtückisch, daß alles noch sehr lange unentdeckt geblieben wäre, wenn Mrs. Kirst nicht so unermüdlich nach der Ursache für die eigenen Gesundheitsbeschwerden und die der Kinder gesucht hätte."
Die richterlich verordnete Entschädigung: eine Million Dollar. Der größte Teil entfällt auf Mrs. Kirst. Die Kinder hätten, so die Richter, eine gute Chance zur vollständigen Genesung. Trotzdem haben die beiden Kinder einen Fonds erhalten, der eine eventuelle langzeitige medizinische Behandlung abdeckt, dazu Leibrenten, die für unerwartete medizinische Therapien in der Zukunft und für schulische Ausgaben benutzt werden können.
© BAUBIOLOGIE UND UMWELTANALYTIK WOLFGANG MAES SCHORLEMERSTR. 87 41464 NEUSS TELEFON 02131/43741 TELEFAX 44127
[ zurück zum Seitenanfang ]
[ zurück zur Übersicht ]