Veröffentlichungen zum Thema "Mobilfunk"
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Aktuelles aus dem ECOLOG-Institut
Stand: 27. April 2001
Pressemitteilungen
Mobilfunk und Gesundheit
Studie im Auftrag der T-Mobil weist auf gesundheitliche Risiken
hin
Das ECOLOG-Institut, Hannover, hat im Auftrag der T-Mobil den
derzeitigen wissenschaftlichen Kenntnisstand zu möglichen Auswirkungen
der Felder des Mobilfunks auf die Gesundheit ausgewertet und unter
dem Gesichtspunkt des vorsorgenden Gesundheitsschutzes bewertet.
Die Ergebnisse und Empfehlungen der umfassenden Studie, an der
Physiker, Mediziner und Biologen mitgearbeitet haben, liegen jetzt
vor.
Ergebnisse
Es gibt mittlerweile eine Reihe sehr ernst zu nehmender Befunde
aus Untersuchungen an stärker belasteten Bevölkerungsgruppen und
aus Tierexperimenten, die auf eine krebsfördernde Wirkung hochfrequenter
elektromagnetischer Felder, wie sie beim Mobilfunk benutzt werden,
hindeuten. Experimente an Zellenkulturen ergaben zudem deutliche
Hinweise auf eine direkte gentoxische Wirkung dieser Felder, wie
DNS-Brüche und Schäden an den Chromosomen, so dass auch eine krebsauslösende
Wirkung nicht mehr ausgeschlossen werden kann. Auf ein kanzerogenes
Potential der Mobilfunkfelder deuten auch die Befunde zur Beeinflussung
der Zelltransformation, der Zellvermehrung und der Zellkommunikation.
Nachgewiesen wurden ferner Störungen weiterer zellulärer Prozesse,
z.B der Protein-Synthese und der Steuerung durch Enzyme.
In zahlreichen Versuchen an Menschen wie an Tieren wurden Beeinflussungen
des Zentralen Nervensystems nachgewiesen, die von neurochemischen
Effekten bis zu Veränderungen der Hirnpotentiale und Beeinträchtigungen
bestimmter Gehirnfunktionen reichen. Letztere zeigen sich im Tierexperiment
u.a. an Defiziten im Lernvermögen. Bei Versuchspersonen, die den
Feldern von Mobiltelefonen ausgesetzt waren, wurden Beeinflussungen
bestimmter kognitiver Funktionen nachgewiesen. Mögliche Risiken
für das Gehirn ergeben sich auch durch die Erhöhung der Durchlässigkeit
der Blut-Hirn-Schranke für Fremd- und potentielle Schadstoffe,
die in mehreren Experimenten bei Tieren nachgewiesen wurden, die
Mobilfunkfeldern ausgesetzt waren.
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am ECOLOG-Institut
fanden bei ihrer Recherche auch zahlreiche Hinweise auf Wirkungen
der Felder des Mobilfunks auf das Hormon- und das Immunsystem.
So lösten diese Felder bei Versuchstieren eindeutige Stressreaktionen
aus, die sich z.B. an einer erhöhten Ausschüttung von Stresshormonen
zeigten. Im Tierexperiment konnte auch eine deutliche Verminderung
der Konzentration des Hormons Melatonin im Blut exponierter Tiere
festgestellt werden. Diese Befunde sind deshalb bedeutsam, weil
Melatonin eine zentrale Steuerfunktion für das Hormonsystem und
die biologischen Tagesrhythmen hat und es die Entwicklung bestimmter
Tumoren hemmt.
Kommentar
Dr. Peter Neitzke, Koordinator der Arbeitsgruppe am ECOLOG-Institut:
"Im Mittelpunkt unserer Untersuchungen standen Wirkungen der elektromagnetischen
Felder des Mobilfunks auf Mensch und Tier, die bei so geringen
Intensitäten auftreten, dass ein thermischer Effekt ausgeschlossen
werden kann. Wir haben die entsprechenden Studien einer strengen
Prüfung hinsichtlich der angewandten Methodik, der Vollständigkeit
der Dokumentation und der Aussagekraft der Ergebnisse unterzogen.
Dabei zeigte es sich, dass rund 80 Prozent der in wissenschaftlichen
Fachzeitschriften veröffentlichten Untersuchungsergebnisse für
die Beurteilung möglicher gesundheitlicher Risiken durch den Mobilfunk
wenig hergeben. Der Rest, auf den sich unsere Bewertung stützt,
ist jedoch so gut gemacht und in sich konsistent, dass wir die
deutlichen Hinweise auf Gesundheitsrisiken ernst nehmen müssen.
Um den Schutz der Bevölkerung vor den Auswirkungen der Felder
des Mobilfunks zu verbessern, brauchen wir in Deutschland deutlich
niedrigere Vorsorgegrenzwerte, wie sie bereits in einigen europäischen
Nachbarländern gelten. Die Erfahrungen dort zeigen, dass die Nutzung
der Mobilfunktechnologie und ein vorsorgender Gesundheitsschutz
vereinbar sind."
Empfehlungen Die derzeit in Deutschland geltenden Sicherheitsgrenzwerte
liegen für die beim Mobilfunk genutzten Frequenzen zwischen 2
und 9 W/m2. Diese Grenzwerte sind lediglich darauf ausgerichtet,
Erwärmungen des Orgnismus aufgrund der thermischen Wirkung hochfrequenter
elektromagnetischer Felder auf ein verträgliches Maß zu begrenzen.
Sie sind aus Sicht der Autoren nicht geeignet, um die in ihrer
Studie aufgezeigtn Gesundheitsrisiken auszuschliessen und daher
mit der Zielsetzung eines vorsorgenden Gesundheitsschutzes nicht
vereinbar. Das ECOLOG-Institut empfiehlt, beim Bau von Mobilfunkanlagen
in der Nähe von Wohnungen, Schulen, Kindergärten, Krankenhäusern
und ähnlich empfindlichen Nutzungen einen Vorsorgegrenzwert von
0,01 W/m2 nicht zu überschreiten. Den Mobilfunkbetreibern wird
nahe gelegt, diesen Vorsorgegrenzwert von sich aus ab sofort einzuhalten
und nicht auf die Verabschiedung der Neufassung der entsprechenden
Verordnung zum Bundes-Immissionsschutzgesetz zu warten. Der für
die Umgebung von Mobilfunksendeanlagen empfohlene Grenzwert ist
bei der Benutzung von Mobiltelefonen auf dem jetzigen und dem
in absehbarer Zeit erreichbaren Stand der Technik nicht möglich.
Eine Absenkung auf maximal 0,5 W/m2 sollte nach Auffassung der
Wissenschaftler am ECOLOG-Institut aber dringend angestrebt werden.
Ein besonderes Problem sehen sie bei Nutzung von Mobiltelefonen
durch Kinder und Jugendliche, da sich deren Organismus zum einen
noch in der Entwicklung befinde und deshalb besonders empfindlich
sei, zum anderen weil mittlerweile viele Heranwachsende zu den
regelmäßigen Nutzern von Mobiltelefonen gehören. Diese Bevölkerungsgruppe
sollte deshalb zumindest nicht direkt beworben werden. Außerdem
sollten besondere Anstrengungen unternommen werden, um die Belastungen
beim Telefonieren durch technische Änderungen an den Handys zu
verringern. Auch durch die Benutzung von Head-Sets oder Abschirmtaschen
kann die Belastung des Kopfes vermindert werden.
Hier erhalten Sie eine ausführliche Zusammenfassung der Studie:
Hennies K., Neitzke H.-P. & Voigt H. 2000: Mobilfunk und Gesundheit
- Bewertung des wissenschaftlichen Erkenntnisstandes unter dem
Gesichtspunkt des vorsorgenden Gesundheitsschutzes. Im Auftrag
der T-Mobil. Hannover, April 2000.
Ihr Ansprechpartner für Rückfragen:
Dr. H.-Peter Neitzke
ECOLOG-Institut für sozial-ökologische Forschung und Bildung
Nieschlagstr. 26
30449 Hannover
Tel/Fax 0511-92456-46/-48
E-Mail mailbox@ecolog-institut.de
Homepage: www.ecolog-institut.de
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