Siegeszug der Home-Handys
Die digitalen D- und E-Netz-Mobilfunksysteme werden seit ihrer Einführung von Wissenschaft und Medien kontrovers diskutiert - aus sozialen wie gesundheitlichen Gründen. Mobilfunk-Handies in der Öffentlichkeit fallen auf - ebenso wie die vielen tausend Basisstationen, die zum Betrieb der Mobilfunknetze notwendig sind: Antennen auf Stahlgittermasten, auf ausgedienten Industriekaminen, Hochhäusern - auch inmitten von Wohngebieten -, auf Wassertürmen und mittlerweile selbst auf Kirchtürmen.
Von der Öffentlickeit dagegen fast unbemerkt, haben in Wohnungen und Büros die schnurlosen digitalen, so genannten "Home-Handies" ihren Siegeszug angetreten. Ihre Benutzung scheint mittlerweile bereits selbstverständlich zu sein. Film und Fernsehen spiegeln es wider: In Krimis, Spielfilmen und den beliebten TV-Seifenopern wird viel telefoniert. Achten Sie einmal darauf: Kaum ein in jüngerer Zeit produzierter Film, in dem noch mit einem schnurgebundenen Apparat telefoniert würde. Schnurlos und mobil ist angesagt.
Während der Markt der "grossen" Mobilfunksysteme heiss umkämpft ist, verkaufen sich die "kleinen" schnurlosen Telefone fast wie von selbst, insbesondere diejenigen mit komfortabler digitaler Technik nach dem DECT-Standard. Ihr Anschaffungspreis ist kontinuierlich gesunken, was von den Käufern mit Freude zur Kenntnis genommen wird. Dass sie den zusätzlichen Preis eines besonderen gesundheitlichen Risikos mit in Kauf nehmen, ist der Öffentlichkeit kaum bekannt. Und wer bringt schon von sich aus das neu angeschaffte schnurlose DECT-Telefon in Zusammenhang mit ebenfalls neu auftretenden "unerklärlichen" Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Ohrensausen (Tinnitus) oder anderen Symptomen? Konstatiert ein baubiologischer Messtechniker mit seinen Geräten bei einer Hausuntersuchung DECT-Signale in der Wohnung - die aus den eigenen vier Wänden oder aus der Nachbarschaft stammen - und wird das fragliche Telefon abgeschaltet, so verschwinden meist auch bald die Symptome.
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Der DECT-Boom
Der Anteil DECT-Telefone am Gesamtumsatz der Schnurlosen beträgt in Deutschland bereits 75 Prozent, mit weiter steigender Tendenz. Demgegenüber verlieren die Geräte mit der älteren analogen Technik immer weiter an Bedeutung.
Schnurlose Telefone sind hochwertige Konsumartikel, sorgfältig und aufwendig designed. Der Verkäufer empfiehlt natürlich das Modernste und Beste: Excellente Sprachqualität, höchster Komfort, bis zu acht Mobilteile anschliessbar, grosser Mobilititätsbereich, menügesteuerte Bedienerführung in sieben Sprachen, Makro- und Namenstasten, Easy-to-use Handy-Benutzeroberfläche und dergleichen Features und Functions mehr. Kurz: Ein modernes digitales Gerät nach dem jüngsten technischen DECT-Standard. Und der Verkäufer muss ja wissen, was gut ist!
Was die Verkäufer dieser Geräte nicht sagen - weil man es ihnen wahrscheinlich auch nicht gesagt hat und was sie daher meist selbst auch gar nicht wissen: Die so gepriesenen schnurlosen DECT-Telefone mit ihren hervorragenden technischen Daten können gleichen besondere biologische Effekte im menschlichen Organismus hervorrufen wie ihre "grossen" Brüder’, die Mobilfunk-Handies. Jene funktionieren nach dem technischen Standard GSM (Global System for Mobile Communications), die digitalen Home-Handies nach dem technischen Standard DECT. DECT bedeutet "Digital Enhanced Cordless Telecommunications", also ‘"digital ausgerüstete schnurlose Telekommunikation’". Mit dem Zusatz GAP (Generic Access Profile) soll sichergestellt werden, dass auch Systemkomponenten - also Mobilteile und Basisstationen - unterschiedlicher Hersteller miteinander kommunizieren können.
Den "grossen" GSM-Systemen und den "kleinen" DECT-Geräten liegt das gleiche technische Prinzip zugrunde: Digitale Übertragung mit periodisch gepulster Strahlung. Und genau diese periodisch gepulste Strahlung hat die GSM-Handies frühzeitig zum Zielpunkt der Kritik werden lassen!
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Der Puls machts
Die mit 217 Hz periodisch gepulste Strahlung stellt ein "Markenzeichen" der digitalen Mobilfunksysteme dar. Ihm verdanken Sie zu einem guten Teil ihre technische Leistungsfähigkeit. Aus verschiedenen Untersuchungen ist aber auch seit Jahren bekannt, dass diese gepulste Strahlung - im Gegensatz zu ungepulster - ein besonderes biologisches Risiko darstellt.
So wurden an der Universitätsklinik Lübeck schon vor mehreren Jahren Veränderungen der Hirnströme im EEG (Elektroenzephalogramm) des Menschen unter dem Einfluss dieser periodisch gepulsten hochfrequenten Wellen beobachtet, die bei ungepulster Strahlung nicht auftreten. Einflüsse auf die Schlaf- und Traumphasen des Menschen wurden an der Universitätsklinik Mainz festgestellt. Ein australisches Forscherteam veröffentlichte 1997 die Ergebnisse von Tierversuchen, in denen erhöhte Krebsanfälligkeit bei Mäusen festgestellt wurde; das Experiment fand im Auftrag der australischen Telekom statt, die eigentlich die Wirkungslosigkeit der gepulsten Strahlung hatte demonstrieren wollen. Und eine jüngst veröffentlichte Studie der Berliner Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAUA) bestätigt die bereits jahrelang bekannten und immer wieder angezweifelten Einflüsse auf die Hirnströme als deutlich messbar im EEG. Zweifel meldeten insbesondere die Industrie und Netzbetreiber an, ergaben doch von Ihnen in Auftrag gegebene Untersuchungen regelmässig keine Auffälligkeiten im EEG. Nun belegt die Studie der Berliner BAUA, dass die EEG-Veränderungen auch nicht an beliebigen Punkten des Gehirns, sondern nur in speziellen Arealen auftreten, insbesondere im rechten Scheitel- und Hinterhauptbereich. Wer an anderen Punkten misst, registriert nichts Auffälliges und verkündet dann: Keine Effekte festgestellt!
Trotz aller warnenden Untersuchungsergebnisse gelten die mit periodisch gepulster Strahlung arbeitenden Systeme offiziell als unbedenklich, da sie keinen der geltenden Grenzwerte überschreiten. Diese Grenzwerte basieren allerdings allein auf der Wärmewirkung von hochfrequenter Strahlung; Auswirkungen auf die empfindlichen Regelungssysteme des menschlichen Organismus (wie z.B. Nerven- und Hormonsystem, Immunsystem, Zellkommunikation) sind hierin überhaupt nicht berücksichtigt. WHO (Weltgesundheitsorganisation) und EU (Europäische Union) bemühen zur Zeit jeweils zweistellige Millionenbeträge für Forschungsprojekte, um nähere Aufschlüsse über biologische Wirkungen des digitalen Mobilfunks zu erhalten - derweil sind weltweit bereits über 100 Millionen Mobilfunk-Handies im Einsatz.
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DECT - die Miniaturausgabe des Mobilfunks für Heim und Büro
Nun sind die digitalen Schnurlos-Telefone nach dem DECT-Standard technisch eng mit ihren grossen Mobilfunkbrüdern verwandt: Es gibt auch hier eine Basisstation, welche die Verbindung zum Telefonfestnetz herstellt und einen oder mehrere Mobilteile, die per Funk - schnurlos eben - mit der Basisstation kommunizieren. Und diese Funkverbindung arbeitet bei DECT-Systemen mit periodisch gepulster Strahlung - nicht mit 217 Hz, wie bei den grossen GSM-Systemen, sondern mit 100 Hz gepulst, aber mit den gleichen biologischen Wirkungen. Bei Messungen in Wohnräumen und Büros stellen Baubiologen immer wieder fest, dass die Strahlungsdichte der DECT-Basisstationen deutlich über derjenigen von Basisstationen des GSM-Mobilfunks liegen kann, die sich draussen, ausserhalb des Gebäudes befinden. Kein Wunder, hat man sich doch die Strahlungsquelle direkt ins Haus herein geholt. Innerhalb des Hauses reichen die DECT-Wellen erstaunlich weit; Zimmerwände stellen für sie nur ein bedingtes Hindernis dar.
Und was die wenigsten wissen: Die DECT-Basisstationen sind Dauersender! Sie müssen ständig in Bereitschaft sein und senden daher ihre gepulsten Signale permanent, am Tag und in der Nacht, auch wenn Sie gar nicht telefonieren. Die Pulsleistung der Schnurlosen liegt mit 250 mW (Milliwatt) zwar nur bei einem Achtel bzw. einem Viertel der Maximalleistung von Mobilfunk-Handies (D-Netz: 2 W (Watt); E-Netz: 1 W). Aber die Mobilfunk-Handies sind leistungsgeregelt und senden nicht unbedingt mit ihrer höchstmöglichen Leistung, sondern nur mit der gerade nötigen Leistung - nicht mehr. Bei guter Verbindung zur GSM-Basisstation kann dies auch deutlich weniger als 250 mW sein. Der "kleine Bruder" DECT kann also durchaus mehr Leistung abstrahlen als der "grosse Bruder" GSM.
Für den professionellen Einsatz werden mittlerweile DECT-Systeme angeboten, die eine flächendeckende Versorgung ganzer Bürotrakte sicherstellen und - von einer Zentraleinheit gesteuert - über hundert Mobilteile umfassen können. Sie beschränken sich nicht auf die schnurlose Übertragung von Sprache, sondern ermöglichen als sogenannte WPBX-Telekommunikationssysteme (Wireless Private Branch Exchange) darüberhinaus die mobile Nutzung von
- Fax, E-Mail, File Transfer
- ISDN-Trägerdiensten (Integrated Services Digital Network)
- Paketdatendiensten
- Internet und Zugang zu entfernten Netzwerken.
Ziel ist die mobile Multimedia-Übertragung. Alles digital und gepulst.
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DECT-Puls: 100 Funkblitze pro Sekunde
Voraussetzung für die Anwendbarkeit gepulster Signale ist digitale Technik - die herkömmliche analoge Technik ist mit Pulsung nicht vereinbar. Daher hat erst die rasante Entwicklung der Digitaltechnik zum Einsatz von Telekommunikationssystemen mit gepulster Strahlung geführt. Periodische Pulsung hat bei Systemen mit einer Vielzahl von aktiven Funkteilnehmern - wie es bei der mobilen und schnurlosen Kommunikation der Fall ist - wesentliche technische und ökonomische Vorteile. Man kann sich die Pulsung wie Funkblitze vorstellen, die ein DECT-Gerät 100 mal pro Sekunde aussendet (100 Hz-Puls). In diesen "Blitzen" ist komprimiert die zu übertragende Information verschlüsselt.
Vergleicht man in einer Analogie die Funkwellen mit Lichtwellen, so entspricht z.B. ein herkömmliches analoges Schnurlos-Telefon einer konstant leuchtenden Glühlampe. Die periodisch gepulste Strahlung eines digitalen Funksystems entspricht dagegen den flimmernden Lichtblitzen eines Stroboskops (vgl. Bild).

100 Hz-Puls eines DECT-Telefons und ungepulste Strahlung eines analogen Schnurlos-Telefons (CT1+) im Vergleich
Unter Betrachtung der reinen Wärmewirkung - wie es die offiziellen Grenzwertbestimmungen tun - ergibt sich in beiden Fällen eine Effektivleistung von 10 mW. Die Spitzenleistung beträgt aber bei kontinuierlicher analoger Strahlung nur 20 mW, bei der gepulsten DECT-Strahlung dagegen 250 mW. "Ob Ihr Partner Ihre Wange kontinuierlich streichelt oder Ihnen in regelmässigen Abständen Ohrfeigen versetzt, kommt wärmemässig auf's Gleiche raus!" (Prof. Käs, Bundeswehrhochschule Neubiberg). Aber eben nur wärmemässig.
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Die Alternative: Schnurgebunden oder CT1+
Wie die obigen Ausführungen zeigen, ist ungepulste Strahlung die biologisch unverdächtigere Alternative. Nach diesem Verfahren arbeiten die analogen Schnurlos-Systeme gemäss dem technischen Standard CT1+ (sprich: "CT 1 Plus"). Wenn Sie denn der Meinung sind, auch unbedingt ein schnurloses Telefon zu brauchen, so bietet die gute alte Analogtechnik die biologisch unverdächtigere Alternative.
Analoge Schnurlose kommen ohne gepulste Strahlung aus, senden nur mit 20 mW Spitzenleistung und dies ausserdem nur, wenn es wirklich erforderlich ist - also nur dann, wenn Sie tatsächlich telefonieren. Analoge Schnurlose sind im Handel problemlos zu bekommen - man muss nur gezielt danach fragen und darauf bestehen, auch wenn Ihnen der Händler lieber ein DECT-Gerät verkaufen möchte.
Wie erkennen Sie - wenn Sie bereits ein schnurloses Telefon besitzen - ob es sich um ein DECT-Gerät handelt? Wenn sich auf dem Gehäuse oder in der Bedienungsanleitung die Bezeichnung ‘DECT"findet, so ist die Sachlage offensichtlich klar.
Aber Vorsicht:: Nicht überall, wo DECT drinsteckt, steht auch DECT drauf. Woran können Sie dann erkennen, ob Sie ggf. ein DECT-Telefon erwischt haben? Z.B. am Frequenzbereich von 1880 - 1900 MHz (= 1,880 - 1,900 GHz), falls er bei den technischen Daten angegeben ist. Oder an DECT-spezifischen Leistungsmerkmalen, wie
- eine grössere Zahl von Mobilteilen kann an einer Basisstation betrieben werden (typischerweise sechs bis acht)
- Gespächsmöglichkeit von Mobilteil zu Mobilteil
- Gesprächsweiterleitung an andere Mobilteile
- Abhörsicherheit (durch Encryption)
- besonders hohe Sprachqualität
Im Zweifelsfall hilft hier ein baubiologischer Messtechniker weiter.
Ausser DECT und CT1+ gibt es noch schnurlose Telefone nach dem technischen Standard CT2. Diese Geräte haben auf dem europäischen Markt keine wesentliche Bedeutung, da ihre Einführung von der DECT-Welle überrollt wurde. CT2-Telefone arbeiten ebenfalls digital und mit periodisch gepulster Strahlung von 500 Hz; die CT2-Basisstation sendet aber immerhin nur während der Dauer des Telefonats.
Auch wenn Sie ein analoges Schnurloses nach dem Standard CT1+ besitzen oder anschaffen: Mit schnurlosen Telefonen sollten in jedem Fall nur Kurzgespräche geführt werden - für Langzeittelefonate ist das schnurgebundene Telefon immer noch die beste Wahl. Und auf gar keinen Fall gehören die Basisstation oder die Ladestation des Mobilgerätes in die Nähe des Bettes - allerdings wegen der niederfrequenten Magnetfelder, die ihr Netztransformator erzeugt.
Eine Liste der noch angebotenen CT1+ - Telefone finden Sie hier.
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Technische Standards der "Home-Handies"
| Technologie |
CT-1+ |
CT-2 |
DECT/GAP |
| Modulationsart |
Analog, ungepulst |
Digital, periodisch gepulst mit 500 Hz |
Digital, periodisch gepulst mit 100 Hz |
| Sender |
Basisstation sendet nur während des Telefonats. |
Basisstation sendet nur während des Telefonats. |
Basisstation sendet permanent. |
| Sendeleistung (Effektivwert) |
10 mW |
10 mW |
10 mW |
| Sendeleistung (Spitzenwert) |
20 mW |
20 mW |
250 mW |
| Frequenzbereich |
885-887 MHz / 930-932 MHz |
864-868 MHz |
1.880-1.900 MHz |
Autor : Dr.-Ing. Martin H. Virnich, Baubiologe IBN, VDB - Berufsverband Deutscher Baubiologen
Dürerstraße 36
D-41063 Mönchengladbach
Tel.: D - 02161 - 89 65 74
Fax: D - 02161 - 89 87 53
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