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Bundesgesetzblatt Jahrgang 1996 Teil I Nr. 66, ausgegeben zu Bonn am 20. Dezember 1996

Sechsundzwanzigste Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (Verordnung über elektromagnetische Felder - 26. BImSchV) Vom 16. Dezember 1996

Auf Grund des § 23 Abs. 1 des Bundes-Immissionsschutzgesetzes in der Fassung der Bekanntmachung vom 14. Mai 1990 (BGBl. I S. 880), der zuletzt durch Artikel 1 Nr. 13 des Gesetzes vom 9. Oktober 1996 (BGBl. I S. 1498) geändert worden ist, verordnet die Bundesregierung nach Anhörung der beteiligten Kreise:


§1 Anwendungsbereich

  1. Diese Verordnung gilt für die Errichtung und den Betrieb von Hochfrequenzanlagen und Niederfre­quenz­­anlagen nach Absatz 2, die gewerblichen Zwecken dienen oder im Rahmen wirtschaftlicher Unter­nehmungen Verwendung finden und nicht einer Genehmigung nach § 4 des Bundes-Immissionsschutz­gesetzes bedürfen. Sie enthält Anforderungen zum Schutz der Allgemeinheit und der Nachbarschaft vor schädlichen Umwelteinwirkungen und zur Vorsorge gegen schädliche Umwelteinwirkungen durch elektro­magnetische Felder. Die Verordnung berücksichtigt nicht die Wirkungen elektromagnetischer Felder auf elektrisch oder elektronisch betriebene Implantate.

  2. Im Sinne dieser Verordnung sind:
    1. Hochfrequenzanlagen:
      ortsfeste Sendefunkanlagen mit einer Sendeleistung von 10 Watt EIRP (äquivalente isotrope Strah­lungsleistung) oder mehr, die elektromagnetische Felder im Frequenzbereich von 10 Megahertz bis 300 000 Megahertz erzeugen,
    2. Niederfrequenzanlagen:
      folgende ortsfeste Anlagen zur Umspannung und Fortleitung von Elektrizität:
      • Freileitungen und Erdkabel mit einer Frequenz von 50 Hertz und einer Spannung von 1000 Volt oder mehr,
      • Bahnstromfern- und Bahnstromoberleitungen einschließlich der Umspann- und Schaltanlagen mit einer Frequenz von 16²/3 Hertz oder 50 Hertz,
      • Elektroumspannanlagen einschließlich der Schaltfelder mit einer Frequenz von 50 Hertz und einer Oberspannung von 1000 Volt oder mehr.

Anmerkung:
Nicht unter die Verordnung fallen damit Anlagen, die ausschließlich der Wahrneh­mung hoheitlicher Auf­gaben dienen (wie Sendefunkanlagen des Bundesgrenzschutzes, der Polizei, der Bundeswehr, der Was­ser- und Schiffahrtsverwaltung des Bundes), privat betriebene Anlagen (wie Ama­teurfunk­anlagen) und Sendefunkanlagen des öffenlich-rechtlichen Rundfunks sowie alle Funkanlagen mit einer Sendefrequenz unter 10 MHz (also alle Lang- und Mittelwellensender sowie ein Großteil der Kurzwellensender). Die Ver­ordnung gilt nur für Anlagen, nicht für elektrische Geräte oder Maschinen. Desweiteren gilt die Verordnung nur für ortsfeste Anlagen, also nicht für mobile, wie z.B. Schiffsradaran­la­gen, mobile Geräte (wie Mobilfunkendgeräte) und nicht für Fahrzeuge. Niederfrequenzanlagen mit einer Betriebsspannung unter 1000 Volt fallen ebenfalls nicht unter den Gel­tungs­bereich der Verordnung
.

 


§ 2 Hochfrequenzanlagen

Zum Schutz vor schädlichen Umwelteinwirkungen sind Hochfrequenzanlagen so zu errichten und zu betrei­ben, daß in ihrem Einwirkungsbereich in Gebäuden oder auf Grundstücken, die zum nicht nur vor­über­­gehenden Aufenthalt von Menschen bestimmt sind, bei höchster betrieblicher Anlagenauslastung und unter Berücksichtigung von Immissionen durch andere ortsfeste Sendefunkanlagen

  1. die im Anhang 1 bestimmten Grenzwerte der elektrischen und magnetischen Feldstärke für den jeweiligen Frequenzbereich nicht überschritten werden und
  2. bei gepulsten elektromagnetischen Feldern zusätzlich der Spitzenwert für die elektrische und die magnetische Feldstärke das 32fache der Werte des Anhangs 1 nicht überschreitet. .


§ 3 Niederfrequenzanlagen

Zum Schutz vor schädlichen Umwelteinwirkungen sind Niederfrequenzanlagen so zu errichten und zu betreiben, daß in ihrem Einwirkungsbereich in Gebäuden oder auf Grundstücken, die zum nicht nur vor­übergehenden Aufenthalt von Menschen bestimmt sind, bei höchster betrieblicher Anlagenauslastung und unter Berücksichtigung von Immissionen durch andere Niederfrequenzanlagen die im Anhang 2 bestimmten Grenzwerte der elektrischen Feldstärke und magnetischen Flußdichte nicht überschritten werden. Dabei bleiben außer Betracht

  1. kurzzeitige Überschreitungen der in Satz 1 angegebenen Werte um nicht mehr als 100 vom Hundert, deren Dauer insgesamt nicht mehr als 5 vom Hundert eines Beurteilungszeitraums von einem Tag ausmacht, (Anmerkung: Dies entspricht 72 Minuten pro Tag)
  2. kleinräumige Überschreitungen der in Satz 1 angegebenen Werte der elektrischen Feldstärke um nicht mehr als 100 vom Hundert außerhalb von Gebäuden,

soweit nicht im Einzelfall hinreichende Anhaltspunkte für insbesondere durch Berührungsspannungen hervorgerufene Belästigungen bestehen, die nach Art, Ausmaß oder Dauer für die Nachbarschaft un­zumutbar sind.


§ 4 Anforderungen zur Vorsorge

Zum Zwecke der Vorsorge haben bei der Errichtung oder wesentlichen Änderung von Niederfrequenz­anlagen in der Nähe von Wohnungen, Krankenhäusern, Schulen, Kindergärten, Kinderhorten, Spiel­plätzen oder ähnlichen Einrichtungen in diesen Gebäuden oder auf diesen Grundstücken abweichend von § 3 Satz 2 Nr. 1 und 2 auch die maximalen Effektivwerte der elektrischen Feldstärke und magne­tischen Flußdichte den Anforderungen nach § 3 Satz 1 zu entsprechen.


§ 5 Ermittlung der Feldstärke­ und Flußdichtewerte

Meßgeräte, Meß- und Berechnungsverfahren, die bei der Ermittlung der elektrischen und magnetischen Feldstärke und magnetischen Flußdichte einschließlich der Berücksichtigung der vorhandenen Immis­sionen eingesetzt werden, müssen dem Stand der Meß- und Berechnungstechnik entsprechen. Soweit anwendbar sind die Meß- und Berechnungsverfahren des Normentwurfs DIN VDE 0848 Teil 1, Ausgabe Mai 1995, einzusetzen, der bei der VDE-Verlag GmbH oder der Beuth Verlag GmbH, beide Berlin, zu beziehen und beim Deutschen Patentamt archivmäßig gesichert niedergelegt ist. Messungen sind am Einwirkungsort mit der jeweils stärksten Exposition durchzuführen, an dem mit einem nicht nur vorüber­gehenden Aufenthalt von Menschen gerechnet werden muß. Sie sind nicht erforderlich, wenn die Ein­hal­tung der Grenzwerte durch Berechnungsverfahren festgestellt werden kann.


§ 6 Weitergehende Anforderungen

Weitergehende Anforderungen aufgrund anderer Rechtsvorschriften, insbesondere von Rechtsvorschrif­ten zur elektromagnetischen Verträglichkeit und des Telekommunikationsrechts, bleiben unberührt.
.


§ 7 Anzeige

  1. Der Betreiber einer Hochfrequenzanlage hat diese der zuständigen Behörde mindestens zwei Wo­chen vor der Inbetriebnahme oder einer wesentlichen Änderung anzuzeigen; der Anzeige ist die vom Bundesamt für Post und Telekommunikation nach telekommunikationsrechtlichen Vorschriften zu er­stellende Standortbescheinigung beizufügen.
  2. Der Betreiber einer Niederfrequenzanlage hat diese der zuständigen Behörde mindestens zwei Wochen vor der Inbetriebnahme oder einer wesentlichen Änderung anzuzeigen, soweit
    1. die Anlage auf einem Grundstück im Bereich eines Bebauungsplans oder innerhalb eines im Zusammenhang bebauten Ortsteils oder auf einem mit Wohngebäuden bebauten Grundstück im Außenbereich belegen ist oder derartige Grundstücke überquert und
    2. die Anlage oder ihre wesentliche Änderung nicht einer Genehmigung, Planfeststellung oder sonstigen behördlichen Entscheidung nach anderen Rechtsvorschriften bedarf, bei der die Belange des Immissionsschutzes berücksichtigt werden.

    Bei Leitungen genügt die Anzeige derjenigen Leitungsabschnitte, für die die Voraussetzungen nach Satz 1 vorliegen.

  3. Bei Anzeigen nach Absatz 1 oder 2 soll der Betreiber die für die Anlage maßgebenden Daten angeben und der Anzeige einen Lageplan beifügen.


§ 8 Zulassung von Ausnahmen

  1. Die zuständige Behörde kann auf Antrag Ausnahmen von den Anforderungen der §§ 2 und 3 zu­lassen, soweit unter Berücksichtigung der besonderen Umstände des Einzelfalls, insbesondere Art und Dauer der Anlagenauslastung und des tatsächlichen Aufenthalts von Personen im Einwirkungsbereich der Anlage, schädliche Umwelteinwirkungen nicht zu erwarten sind.
  2. Die zuständige Behörde kann Ausnahmen von den Anforderungen des § 4 zulassen, soweit die Anforderungen des § 4 im Einzelfall unverhältnismäßig sind.

§ 9 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 62 Abs. 1 Nr. 7 des Bundes-Immissionsschutzgesetzes handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 2 eine Hochfrequenzanlage oder

  1. entgegen § 3 Satz 1 eine Niederfrequenzanlage errichtet oder betreibt,
  2. entgegen § 4 eine Niederfrequenzanlage errichtet oder wesentlich ändert oder
  3. entgegen § 7 Abs. 1 oder 2 Satz 1 eine Anzeige nicht, nicht richtig, nicht vollständig oder nicht rechtzeitig erstattet.

§ 10 Übergangsvorschriften

  1. Die vorbereitenden Maßnahmen zur Einhaltung der Anforderungen bei Anlagen, die vor Inkrafttreten dieser Verordnung errichtet wurden, müssen unverzüglich eingeleitet werden.
  2. Die Anforderungen der §§ 2 und 3 sind bei Anlagen, die vor Inkrafttreten dieser Verordnung errichtet wurden, nach Ablauf von drei Jahren seit Inkrafttreten dieser Verordnung einzuhalten. Die zuständige Behörde kann im Einzelfall anordnen, daß die Anforderungen abweichend von Satz 1 bei wesentlichen Überschreitungen bereits zu einem früheren Zeitpunkt zu erfüllen sind.
  3. Kann die Nachrüstung einer Anlage, die vor Inkrafttreten dieser Verordnung errichtet wurde, aus Gründen, die der Anlagenbetreiber nicht zu vertreten hat, vor Ablauf der in Absatz 2 Satz 1 genannten Frist nicht abgeschlossen werden, so kann die zuständige Behörde eine Ausnahme zulassen; die Aus­nahme ist zu befristen.


§ 11 Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am ersten Tage des auf die Verkündung folgenden Kalendermonats in Kraft.


Anhang 1 (zu §2)

Hochfrequenzanlagen

 

  Effektivwert der Feldstärke und der Leistungsflußdichte*1), quadratisch gemittelt über 6-Minuten-Intervalle  
Frequenz*2) (f) in Megahertz (MHz) elektrische Feldstärke in Volt pro Meter (V/m) magnetische Feldstärke in Ampere pro Meter (A/m) Leistungsflußdichte*1) in Watt pro Quadratmeter (W/m²)
10 -400 27,5 0,073 2<
400 -2.000 1,375 sqrt(f) 0,0037 sqrt(f) 0,005 f
2.000 - 300.000 61 <0,16 10

*1) In der 26. BImSchV sind nur Grenzwerte für die elektrische und die magnetische Feldstärke angegeben; hieraus wurden die Werte für die Leistungsflußdichte berechnet.

*2) In der der 26. BImSchV sind Grenzwerte für Hochfrequenzanlagen mit Frequenzen unter 10 MHz zur Zeit nicht geregelt. Eine Erweiterung für niedrigere Frequenzen ist in Bearbeitung.


Anhang 2 (zu § 3)

Niederfrequenzanlagen

  Effektivwert der elektrischen Feldstärke und magnetischen Flußdichte
Frequenz in Hertz (Hz) elektrische Feldstärke*3)in Kilovolt pro Meter(kV/m) magnetische Flußdichte in Mikrotesla (mT)
50-Hz-Felder 5 100
16 2/3-Hz-Felder 10 300

*3) Anmerkung: Potentialfreie Messung

 


Anmerkungen:
Dr.-Ing. Martin H. Virnich, Ingenieurbüro für Baubiologie und Umweltmesstechnik, Mönchengladbach

 

 


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