|
|
Fragen an den ehemaligen geschäftsführenden Vorstand,
Herrn Uwe Münzenberg, zum Berufsverband deutscher Baubiologen VdB e.V.
Herr Münzenberg, warum wurde die Gründung eines Berufsverbandes der Baubiologen überhaupt notwendig?
U.M.: "Wir sind als Berufsverband der Baubiologen der einzige Berufsverband, der sich gezielt mit Umweltbelastungen in den eigenen vier Wänden beschäftigt. Wir wollen, dass Menschen gesund wohnen können, dieses Ziel ist unser eigentliches Programm".
Meinen Sie wirklich, dass sich die Baubiologie mit Hilfe des Verbandes eher durchsetzen wird? Sollte da nicht der Gesetzgeber langsam, aber sicher die Grenzwerte anpassen?
U.M.: "Laut unseren Erfahrungen sind die meisten Umweltrisiken in den eigenen vier Wänden leicht vermeidbar, da die Verursacher schlichtweg unnötig sind. Baubiologen geben praxisnahe Hilfen zur Verminderung und Reduzierung von Umweltrisiken in Gebäuden. Dieses Ziel können wir jetzt durch die Bündelung der Kräfte und des Fachwissens noch effektiver umsetzen".
Die baubiologische Beurteilung von Belastungsfaktoren in Wohnungen erfolgt unabhängig von "offiziellen" Grenz- oder Richtwerten und kann damit viel schneller und effektiver auf den sich ständig erweiternden Wissensstand reagieren, als dies vom Gesetzgeber zu erwarten wäre“.
Sehen Sie für Ihre Mitglieder reale wirtschaftliche Chancen?
U.M.: "Das Interesse an Baubiologie in der Bevölkerung ist gross. Ebenso die Nachfrage für unabhängige Informationen über Schadstoffbelastungen und Elektrosmog. Wir müssen nur immer wieder feststellen, welche Odyssee Ratsuchende über Umwelt- Gesundheits- oder Landratsämter, diverse Infotelefone und Vereine, Umweltlabore oder den Arzt hinter sich bringen müssen, bis sie letztendlich den Kontakt zu einem fachkundigen Baubiologen finden.
An diesem Punkt setzt unser Verband an, um diese diffuse Situation entscheidend zu verbessern. Baubiologen waren und sind richtungsweisend, wenn es darum geht, Umweltprobleme in Wohnungen ernst zu nehmen, in denen die Bewohner voreilig als "Ökochonder" abstempelt wurden. Die Realität von Umweltgiften ist inzwischen selbst von offiziellen Stellen bestätigt."
Was leisten Baubiologen denn konkret zur Verbesserung der Wohnraumqualität?
U.M.: "'80% der Menschen verbringen 80% ihrer Zeit in Innenräumen.' stellt das Bundesgesundheitsamt fest. Zuhause verstecken sich oftmals die meisten Umweltrisiken, hier habe ich aber auch die größten Chancen etwas zum Positiven zu verändern. Wir wollen dazu effektive Lösungswege aus Expertenhand aufzeigen, welche zu einer umsetzbaren gesunden Wohnumwelt führen. Die Baubiologen haben sich hier Know-how erworben und es ist an der Zeit, dass wir diese Verantwortung auch in der Gesellschaft annehmen und selbstbewußt vertreten."
Dem Verband scheint es nicht an Zuversicht zu fehlen, aber wie will der Berufsverband diese hohen Ansprüche umsetzen?
U.M.: "Wir bieten und verlangen von unseren Mitgliedern ein umfangreiches Qualitätssicherungs- Management. Dies basiert zum einen auf fachübergreifende Fort- und Weiterbildungen, Ringversuchen, lösungsorientierten Vorgehensweisen bei der Beratung, Analytik und Sanierung.
Wir setzen uns zum Nutzen der Bürger vor irreführenden Ökobezeichnungen für den Schutz der Berufsbezeichnung 'Baubiologe / Baubiologin' und für die Einzigartigkeit und Unverwechselbarkeit des Begriffes Baubiologie ein."
Wie kann ich mir die Umsetzung dieser Arbeiten vorstellen?
U.M.: "Diese Arbeit soll zum einen vom eingerichteten Fachausschuß Qualitätssicherung geleistet werden. Für einen fließenden und effektiven Informationsaustausch wollen wir uns modernster Kommunikationsmittel durch die elektronischen Medien bedienen. Für die Aussendarstellung und Pressearbeit ist der dafür eingerichtete Fachausschuß Öffentlichkeitsarbeit mit einer eigenen Medienreferentin zuständig.
Damit wir dem Ziel der Baubiologie als Lehre von der Beziehung zwischen dem Menschen und seiner Wohnumwelt gerecht werden können, ist für uns der interdisziplinäre Dialog zwischen Umweltanalytik, Umweltmedizin, Sozialwissenschaft, Architektur, Baugewerbe und Verbraucherverband sehr wichtig. Deshalb wollen wir den Austausch und die Kooperation mit Verbänden der Architekten, Umweltmediziner und Umweltinstitute pflegen."
Wie wollen Sie erreichen, daß die notwendigen Informationen schneller zum ratsuchenden Bürger gelangen?
U.M.: "Wie gesagt arbeiten wir an praktikablen und unbürokratischen Lösungen und richten deshalb eine bundesweit gebührenfreie Rufnummer ein. So ist es möglich, schnell und unbürokratisch Experten vermitteln zu können, um Problemlösungen anzugehen".
Der Verband arbeitet auf Bundesebene in Deutschland. Wollen Sie sich auch auf europäischer Ebene engagieren?
U.M.: "Wir würden uns freuen, wenn unsere europäischen Kollegen sich von unserem Erfolg versprechenden Konzept anstecken lassen würden. Wir werden sie auf jeden Fall tatkräftig unterstützen. Es ist aber nicht notwendig eine neue übergreifende Dachorganisation ins Leben zu rufen, da diese bereits seit 1992 besteht, die ECOHB. Diese wollen wir nach Kräften unterstützen."
|
 |